Idee, Titel und Auswahl Dunkels erster
Ausstellung in der Galerie am Gendarmenmarkt »Inwendig voller
Figur« waren die Idee von Dr. Maria Dunkel, als Projekt
besonders geeignet, das plastische Werk von Joachim Dunkel nahe
zu bringen, eben auch für mich, das ›Spröde‹, siehe Ankündigung,
als seine besondere, eigene Art plastisch zu begreifen und zu
erfassen.
Dankenswerter Weise hat Prof. Dr. Börsch-Supan zu allen drei
Ausstellungen, die ich zum Werk Dunkels realisiert habe, die
Laudatio gesprochen, wenn auch dessen Spezialgebiet bekannter
Weise ein anderes ist.
Er schätzte Joachim Dunkel sehr. In seiner Funktion als Kurator
der Berliner Schlösser, hatte er den Bildhauer kennengelernt,
als dieser seine Bozzetti / Entwürfe für vier der zwanzig
Attikafiguren auf dem Schloss Charlottenburg einreichte.
Zeitgenössische Bildhauer sollten Anfang der 70er Jahre dem
Barockbau angemessene neue Musen-Formulierungen vorschlagen.
Kalliope, aus: Vier Musen, 1971/72, Bozzetto zu Attika-Figuren
Schloss Charlottenburg, Aluminium, H: 75 cm /
Melpomene, aus: Vier Musen 1971/72, Bozzetto zu Attika-Figuren
Schloss Charlottenburg, Aluminium, H: 75 cm
Eiserner Minotaurus, 1995, Bronze, 1960, Eisen gerostet auf
Eisenbahnschiene, 36 × 17 × 12 cm / Stier, 1948, Bronze, 2010,
25 × 40 × 12 cm
Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan zur Vernissage der
Ausstellung im stilwerk Berlin vom 17. November 2010 bis 8.
Januar 2011:
»Am Eingang - vielleicht haben es nicht alle bemerkt - steht ein
Werk des 23-Jährigen von 1948, vom Beginn seiner Tätigkeit als
Bildhauer. Es ist ein kleiner liebenswürdiger Stier, den man
streicheln möchte, so sanft sind die Wölbungen seines Körpers,
der zwar mit wenig Bodenhaftung dennoch fest auf seinen vier
Beinen steht. Den originalen Gips hat Maria Dunkel in Bronze als
Auflagenstück gießen lassen. Man bemerkt den Heiliger-Schüler.
Das Auge ist ein Loch, auch wenn die Augäpfel nicht da sind,
blickt das Auge vor dem Hintergrund der hellen Wand. …
Der Sprung von diesem Frühwerk über zwölf Jahre zu dem kleinen
rostigen Minotaurus auf einem Stück Eisenbahnschiene ist dann
ein gewaltiger. Der Unhold sitzt, fast thront er, gewalttätig
mit mächtigem Oberkörper und bösem Blick, während die
Unterschenkel wegzuschmelzen scheinen. Das ist Erinnerung an den
Krieg. …«
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Berolina contemporary, 1987, Bronze, H: 31,5 cm (auf
Eisenplinthe 21 × 21 cm) / Säulentorso, 1980, Bronze
farbig gefasst, H: 140 cm / Figur H: 80 cm