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Medienecho

 

Ausstellung im Kabinett des showrooms
im stilwerk Berlin

Waldemar Otto: »Zeitgenossen«
Werkgruppe aus den Jahren 2011 bis 2013

28. September – 30. November 2013, Eintritt frei

Info-/Einladungsfaltblatt PDF

Vernissage
Freitag, 27. September 2013, 19 Uhr
Es spricht Dr. Arie Hartog
Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses Bremen
Rede als PDF

Werkeispiele
Biografie

weiterführende Links:
Angebot Werke Waldemar Otto
Ausstellung Galerie am Gendarmenmarkt 2008
Website des Künstlers

Der Kunsthandel Dr. Wilfried Karger zeigt neben der ständigen Ausstellung figurativer Plastik eine Kabinettausstellung mit Arbeiten aus der Werkgruppe »Zeitgenossen« (2011 bis 2013) von Waldemar Otto.

»Die Zeitgenossen des weltberühmten Bildhauers sind Kritiker, Künstler und Kuratoren, die Otto aus dem Alltag holt« (Bild Bremen vom 16. Mai 2013). Es ist der »Minimalist, den Nullpunkt anbetend«, der sich devot einer Stange, dem Nullpunkt zuwendet, es sind die »Drei Zeitgenossen«, aus Messingplatten ausgesägte Köpfe, durch einen Rundstab miteinander verbunden, ausgerichtet, gleichgeschaltet, es ist die »Sehr hochtrabende Zeitgenossin«, es ist der »Kurator«, der sich verkrampft mit beiden Händen die Ohren zuhält, es ist der »Hut des Propheten«, ein Skelett mit dem unverkennbaren Hut von Joseph Beuys auf dem Schädel, es ist der »Installateur«, der gelangweilt auf die Stange in seiner Hand schaut, vor sich einen Becher, es sind die »Zwei Dogmatiker«, ausgerichtet, glatt und platt, es ist das »Genie am Knetwerk«, das sich an einer missratenden Plastik berauscht, es ist der »Designist« in Betrachtung eines aufgesockelten leeren Gestells, anders gesagt, des Kaisers neue Kleider, usw. usf., 24 Zeitgenossen insgesamt.

für größere Darstellung und vollständige Werkangaben bitte auf die Abbildungen klicken

 

Der Kurator

Amorphist I

Zwei Dogmatiker

Der Minimalist, den Nullpunkt anbetend

Leichnam des Propheten

Zweitgenossen

Amorphist II

Drei Zeitgenossen

Sakrileg

 

Werkaufnahmen: Galerie Cohrs-Zirus, Worpswede

 

Der Höhepunkt ist sicher die Plastik »Sakrileg«. Waldemar Otto hat sich maßstabsgerecht das berühmte Urinal von Marcel Duchamp aus dem Jahre 1917 aus Porzellan nachbauen lassen und stellt davor eine in dieses Heiligtum pinkelnde Figur, genussvoll dabei sich im Spiegel betrachtend.
Das Pissoir von Duchamp und die Fettecke von Beuys haben in der Folge das Kunstverständnis entscheidend verändert.
Mit der in den Jahren 2011 bis 2013 entstandene Werkgruppe »Zeitgenossen« reagiert Otto darauf. Sie zeigt seine Sicht auf den »globalen Dilettantismus der Modernisten«. Er setzt diese mit »spitzbübischer Freude, in leiser und ironischer Weise« (Weser-Kurier vom 16. Mai 2013) dem Mainstream des öffentlichen Kunstbetriebes entgegen.
Den Verlust an Volumina in der zeitgenössischen dreidimensionalen Kunst bedauernd, beraubt er nun selbst seine »Zeitgenossen« ihrer Volumina, nur leicht treten sie aus der Fläche heraus, erstmals sind Köpfe aus Messingplatten herausgesägt. Die Gesichter sind nur eingeritzt, dennoch mit typischen Merkmalen. Die von Otto seit langem praktizierte Schaffensweise des Modellierens mit Wachstafeln steigert er in dieser Werkgruppe fast bis zur reinen Fläche, und kritisiert damit gleichzeitig den Verlust an Plastizität des aktuellen Kunstgeschehens. Otto war immer ein dialektischer Denker.
Er fühlt sich mit Botho Strauss verbunden, wie dieser in seinem Essay »Der Plurimi-Faktor« im »Spiegel« 31/2013, die Rolle der Medien im allgemeinen Kulturverfall charakterisiert. Auch er prangert mit seinen »Zeitgenossen« die von den Medien so hoch gelobten in der Mode schwimmenden Banalitäten an.
Inzwischen 84jährig, zeitlebens der figurativen Plastik verschrieben, Professor an der Hochschule für Künste in Bremen, Initiator bedeutender Skulpturenausstellungen auf dem Wall in Bremen und des Bremer Bildhauerpreises, überaus erfolgreicher Bildhauer mit vielen Werken im öffentlichen Raum der verschiedenen Städte Deutschlands und vertreten in vielen Museen auch außerhalb Deutschlands, beklagt Otto den Verlust an inhaltlicher Auseinandersetzung verbunden mit bildnerischer Qualität und den Vormarsch des Unverbindlichen, des Spektakulären, den Verfall von Formqualitäten. Bildhauerei im eigentlichen Sinne verschwindet nach und nach aus dem öffentlichen Bewusstsein.
Waldemar Otto hat immer auf politische und gesellschaftliche Zustände reagiert, mal im besten Sinne auf agitatorische Weise, mal auch schon ironisierend oder sarkastisch. Dass er sich nun mit dieser Vehemenz dem Mainstream des aktuellen Kunstbetriebes widmet, von dem er in seinem persönlichen Schaffen kaum behindert wurde, zeigt, dass er diesem Verfall große gesellschaftliche Bedeutung beimisst.

 

Zeitgenosse mit Installation II

Streitgenossen

Designist
mit Sockel ohne Torso

Installateur

Das Genie am Knetwerk

Fünf Zeitgenossen

Armer Zeitgenosse


Waldemar Otto


Am 30. März 1929 wird Waldemar Otto geboren. Nach dem Schulabschluss beginnt Otto 1948 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin mit dem Studium der Bildhauerei bei Alexander Gonda. Zur gleichen Zeit lehren an der Hochschule Richard Scheibe, Waldemar Grzimek und Gustav Seitz. 1952 bis 54 ist Otto Meisterschüler bei Alexander Gonda, der sich selbst zwar ganz der Abstraktion zuwendet, seinem Schüler aber das gegenständliche Arbeiten nicht verwehrt. Ab 1955 ist er freischaffend als Bildhauer in Berlin tätig, zwischenzeitlich von 1963 bis 65 ist er Artist in Residence an der University of Notre Dame in Indiana/USA. 1973 beruft die Hochschule für Künste in Bremen Waldemar Otto zum Professor.
Auch durch Sein Wirken wird Bremen zu einem Zentrum figürlicher Bildhauerei, 1987 und 79 finden auf den Bremer Wallanlagen zwei bedeutende Ausstellungen figürlicher Plastik statt, die wesentlich von Waldemar Otto konzipiert wurden, und dreimal wurde der Bremer Bildhauerpreis vergeben, an Alfred Hrdlicka, Fritz Cremer und Waldemar Grzimek. 1981 ist Waldemar Otto Ehrengast der Villa Massimo in Rom und 1995 erhält er die Ehrengabe zum Lovis-Corinth-Preis. 1997 findet in der Eremitage in St. Petersburg eine große Retrospektive statt und 2001 im Nationalmuseum von Santiago in Chile. Im Jahre 2000 erhält er den Prix Florance Gold in Monaco.
Waldemar Otto bleibt zeitlebens bei der figürlichen Plastik, wobei es ihm gelingt alle emotionale Betroffenheit, die aus dem Erleben der Realität gespeist wird, im Anklagenden sowie auch im Lobpreisenden in eine gültige künstlerische Form zu gießen. Dadurch wird das Klagende nicht zum Pamphlet und das Preisende nicht zum Pathos. Seine Formensprache entwickelt sich zu einer stark reduzierten Körperlichkeit, Achsenverschiebungen oder Drehungen verleihen den Körpern Spannung und Räumlichkeit. Diese Art der Plastizität hat eine ganz eigene Sprache, macht Waldemar Otto unverwechselbar. Schließlich entstehen die Formen durch die mit den Händen zur Plastik verarbeiteten Wachstafeln, sie sind still in der Reduzierung auf die große Form, sind auf die sinnfälligen Abläufe zwischen Flächen und Wölbungen konzentriert, ergänzt durch die Behandlung der Oberfläche, die zum Teil durch die stehengelassene Gusshaut reizvoll willkürliche Elemente mit bewusst gesetzten Nuancen verbindet.
Plastiken im öffentlichen Raum von ihm stehen in 26 Städten und seine Werke befinden sich in 23 Museen.

Website des Künstlers:
www.waldemar-otto.de

 

 

 

 

 

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